Museum


Foto: Göttmann
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Ausstellung: Der Rodensteiner und das wilde Heer

Am 29. April eröffnete das Heimatmuseum Rodenstein seine Ausstellung von Sammelobjekten mit Rodenstein-Motiven unter so großem Publikumsinteresse, dass die Räumlichkeiten kaum ausreichten. Nach einer musikalischen Einführung und eine Begrüßung durch den Vorsitzenden des Museumsvereins Claus Fittschen und Bürgermeister Engels gab Jürgen Göttmann einen Einblick in seine Motivation sowie die seines Sammlerfreundes Hans-Peter Trautmann, deren Herz seit ihrer Kindheit für den Rodensteiner schlägt.  Die über 100 Exponate hinterließen eine klare Sprache:  Der Rodensteiner war eine Sagengestalt, die im 19. Jahrhundert viele Schriftsteller und Dichter des deutschsprachigen Raumes bewegte, darunter August Friederich Langbein und Karl Schindler, zwei heute vergessene, damals jedoch überaus beliebte Autoren.  Später prägte natürlich Joseph Viktor von Scheffel  mit seinen Gedichten das Bild des trinkfreudigen „Herrn von Rodenstein“, das auch in der Ausstellung aufgegriffen wurde.  Seine Verse wurden später vertont und die resultierenden Lieder werden bis heute von Studentenvereinigungen an allen deutschsprachigen Universitäten noch gesungen. Nicht zuletzt durch Scheffel  bekam der Name des Rodensteiners eine erhebliche Verbreitung als Werbeträger: So machte Firma Kupferberg mit der Abbildung des Rodensteiners  Reklame für ihren Sekt „Kupferberg Gold“, und Weinflaschen der Kellerei Schlitz aus Mainz trugen die Aufschrift „Rodensteiner Willkumm“  Auch Ansichtskarten von Gaststätten in Eisenach und Innsbruck warben mit Bildern des trinkenden „Herrn von Rodenstein“. Bemerkenswert, aber in diesem Zusammenhang ebenfalls erklärlich war die Produktion von Bierkrügen bei Firmen Villeroy und Boch und Weingläsern bei Rosenthal mit einem Rodensteiner-Motiv.  Im zwanzigsten Jahrhundert bearbeitete Werner Bergengruen die Sagen des oberen Gersprenztales in seinem „Buch Rodenstein“. Eine Tonaufnahme von einem Vortrag aus dem Buch war ein bemerkenswertes Dokument in der Ausstellung.  

 

Foto: Göttmann
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Noch heute gibt es viel Begeisterung für den Herrn von Rodenstein auch unter Besuchern von außerhalb. So war bei der Eröffnung auch der Künstler und Schriftsteller Rolf Meisinger aus Mannheim zugegen, der dem Museum zur Eröffnung der Ausstellung ein Gemälde mit seiner Interpretation vom „Wilden Heer“ des Rodensteiners schenkte. Meisinger schreibt Bücher und Artikel in russischer Sprache über deutsche Sagen, sowie über Sagengestalten auf Geldscheinen und Münzen, was in Russland großes Interesse findet.  Auch pilgern Studenten  zweier studentischer Vereinigungen aus der Schweiz, die „Sängerschaft der Rodensteiner“, Zürich, und die „Studentische Vereinigung Die Rodensteiner“ Fribourg, regelmäßig zur Burgruine. Eine Gruppe von sieben Studenten der Sängerschaft besuchten gerade in der letzten Woche den Rodenstein und Fränkisch-Crumbach und nahmen dabei auch die Ausstellung in Augenschein.    


Geschichte des Museums

Das Museum wurde 30. November 1980 eröffnet und war zuerst nur im ersten Stock des sogenannten Kellerbaus untergebracht. Erst 1981 begannen die Arbeiten, um das Kellergewölbe auszubauen. Im Mai 1987 wurden dann die Außenwände des Museums renoviert, so dass das Museum sein heutiges Aussehen erhielt.

Die reiche Handwerker-Tradition hat ihren Niederschlag in den Beständen des Museums gefunden. Folgende Einrichtungen, die als komplett vorhanden zu bewerten sind, wurden ausgestellt: Verkaufsladen "Tante-Emma-Laden", Schuhmacherwerkstatt, Simmermacherwerkstatt, Schreinerwerkstatt, Holzdreherei, Zigarrenmacherei und Schmiede. Im Kellergewölbe des Museums konnte man eine repräsentative Auswahl der Gerätschaften der Landwirtschaft der Vergangenheit besichtigen.

Die Sagen über den Rodensteiner zusammen mit allgemeinen Informationen zum Rittertum wurden im mittleren Raum der ersten Etage behandelt. Hier konnte man ein Kettenhemd, verschiedene Arten von Helmen und ein anderthalbhändiges Schwert anschauen.

Gegenwärtig ist das Museum geschlossen, damit die nötigen Inventarisierungsarbeiten durchgeführt werden können. Die meisten landwirtschaftlichen Geräte ergänzen jetzt der Sammlung des Gruberhofs in Groß-Umstadt. Auch weitere größere Drehbänke wurden an die Spender zurückgegeben, um die Erneuerung des Museums zu ermöglichen.

Trotzdem ist das Museum immer wieder mal für Besucher zugänglich, z.B. während unsere Ausstellung "Der Rodensteiner und sein wildes Heer" (siehe oben). Das Museum wird auch während des Muschelfestes 2018 mit dieser Ausstellung auf haben.